Von Martin und Annerose Zinßer
Tag 1
Schon am Freitagmorgen starteten wir in Kornwestheim am Busdepot der Firma Hönes-Reisen. Busfahrer Andreas Lieb, der auch im letzten Jahr auf der Adventstour der Stäblers den Bus gekonnt chauffierte, übernahm wieder das Steuerrad.
In Gärtringen stiegen noch die letzten Mitfahrer zu, sodass wir mit nun 32 Personen unterwegs waren.
Hans-Martin begrüßte unsere Reisegesellschaft. Mit einem Morgenlied sowie Losung und Lehrtext aus dem Losungsbüchlein der Herrnhuter Brüdergemeine begann er seine Andacht. Er wünschte uns, dass wir etwas von der heilenden Kraft Jesu erleben und schloss mit einem Gebet ab.
Unser erstes Ziel war das Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf in Stockach-Wahlwies, wo wir ausgesprochen freundlich willkommen geheißen wurden, auch von Thomas Gamm, einem Freund von Hans-Martin und dem Betriebsleiter der Bäckerei.
„Das Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf in Wahlwies am Bodensee ist das erste und älteste Kinderdorf Deutschlands und bietet seit 1947 ein sicheres Zuhause für Kinder und Jugendliche in sozialer Not. Aktuell leben hier rund 150 Kinder und Jugendliche, die meist in ihren Herkunftsfamilien psychische, physische oder sexualisierte Gewalt erlebt haben.
Das Herzstück unserer Arbeit sind die Dorffamilien. Ein Elternpaar, das sich um bis zu sieben Kinder in einem unserer Familienhäuser kümmert. Durch diese familienanaloge Betreuung erleben die Kinder ein echtes Familienleben, was ihnen Halt gibt.
Neun Betriebe, von der Schreinerei bis zur Demeter-Landwirtschaft, versorgen das Kinderdorf mit ihren Leistungen und Erzeugnissen. Jedes Jahr werden rund 60 Auszubildende mit besonderem Förderbedarf begleitet.
Die Dr. Erich-Fischer-Schule ist ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum, an dem rund 80 Schüler:innen unterrichtet werden, die sozial und emotional besondere Unterstützung benötigen.“ (zitiert aus dem Flyer „Kinder brauchen Zukunft“)
Gestärkt durch ein zweites Frühstück von ausgezeichneter Qualität machten wir uns auf einen Rundgang durch das Kinderdorf. Dabei hob unsere Gästeführerin hervor, wie wichtig es ist, dass die Kinder erst einmal zur Ruhe finden, wenn sie hier ankommen, und in einem geschützten Rahmen aufwachsen können.
Mit sehr vielen positiven Eindrücken verließen wir das Kinderdorf und nahmen Kurs zu den Pfahlbauten in Uhldingen-Mühlhausen, OT Unteruhldingen. Im neu erbauten Museum mit einer Holzkonstruktion in der Form eines umgedrehten Einbaums erwartete uns unser Guide. Mit seinen Ausführungen versetzte er uns in die Stein- und Bronzezeit der Menschheitsgeschichte, zurück bis um 4 000 v. Chr. Beim Gang über die Stege zu einzelnen Häusern der Siedlung konnte man staunen, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten die Menschen der Frühgeschichte schon entwickelt hatten.
Nach dem Abschied vom archäologischen Freilichtmuseum samt angeschlossenem Museumsbau und einer kurzen Busfahrt blieb noch etwas freie Zeit, um durch Meersburg zu schlendern und/oder sich in einem Café aufzuwärmen. Anschließend fuhren wir weiter nach Friedrichshafen zu unserem „4-Sterne-Hotel Knoblauch“, wo wir unsere Zimmer bezogen und ein leckeres Abendessen einnahmen. Davor oder danach konnte noch kostenlos der hoteleigene Wellnessbereich mit Schwimmbad, Sprudelliegen, Dampfbad, Sauna und Solarium genutzt werden.
Tag 2
Nach einem reichhaltigen Frühstücksbuffet steuerten wir nochmals Meersburg an, um das dortige Bibelmuseum aufzusuchen. Unterwegs stimmte uns Hans-Martin mit „Danke für diesen guten Morgen“ sowie mit Losung und Lehrtext und der Bitte um Gottes Führung auf den neuen Tag ein.
Das Bibelmuseum, auch Bibelgalerie genannt, ist zugleich ein Bibel-Erlebnismuseum, weil hier „die Bibel erlebbar wird durch Schreiben in einer klösterlichen Schreibstube, Drucken mit der Druckerpresse und Geschichten erzählt bekommen in einem Beduinenzelt“. (zitiert nach Wikipedia)
Bei einer Führung durch die verschiedenen Räumlichkeiten erhielten wir Informationen zur Entstehung der Bibel, über die Tora des jüdischen Volkes, die Lehmhäuser zur Zeit Jesu, die kleinste Bibel und über so manches mehr.
Bleibt festzuhalten, dass jeder und jede eingeladen ist, es Johannes gleichzutun, der auf einer Skulptur im Raum der Stille sich ganz an Jesus schmiegt und bei ihm Frieden und Geborgenheit findet.
Mit vielen Eindrücken im Gepäck ging es weiter, und zwar mit der Fähre von Meersburg nach Konstanz, wo wir uns im Wirtshaus Bürgerstuben ein ausgezeichnetes 3-Gänge-Menü schmecken ließen.
Hier holte uns unser Guide ab, um uns einige Besonderheiten der Stadt Konstanz vor Augen zu stellen. Zunächst zeigte er uns schön gestaltete Fassaden alter Gebäude, bevor wir dann am Hafen einen Blick auf die Imperia warfen, einer aus Bronze gegossenen, neun Meter hohen Statue. Auf dem Weg über den Weihnachtsmarkt gelangten wir dann zum „Konzil“, einem riesigen Lagerhaus, in dem einst auch eifrig Geschäfte betrieben wurden. In diesem Haus fand während des Konstanzer Konzils von 1414 bis 1418 die Wahl eines neuen Papstes statt, nachdem zuvor drei Päpste miteinander konkurriert hatten. Vorbei an Häusern der Altstadt mit beeindruckender Außenansicht kamen wir schließlich noch zu dem mächtigen Bauwerk des Konstanzer Münsters.
Der Name der Stadt Konstanz geht übrigens zurück auf ein Wehrkastell der Römer, genannt Constantia.
Ehe sich unser Gästeführer von uns verabschiedete, wies er uns noch den Weg zurück zu unserem Ausgangspunkt.
Nun galt es, im verkehrsbelebten Konstanz wieder auf unseren Reisebus zu treffen, was einige Zeit in Anspruch nahm, aber dann doch klappte. Er brachte uns zum Eingang der Insel Mainau, wo wir dann den abschließenden Höhepunkt des Tages erleben sollten: den Christmas Garden. Dabei handelt es sich um ein Lichtspektakel der außergewöhnlichen Art. In einem Prospekt von „Christmas Garden“ heißt es: „Bereits zum fünften Mal verwandelt sich die Insel Mainau in eine funkelnde Märchenlandschaft. Auf einem rund drei Kilometer langen Rundweg erstrahlt die Blumeninsel in glitzerndem Licht, begleitet von neuen, faszinierenden Installationen, die auch Besuchende aus den vergangenen Jahren überraschen werden.“ In der Tat konnte man nur staunen, was sich die Organisatoren dieser Lichtershow alles ausgedacht hatten, um die Gäste aus nah und fern in eine zauberhafte Lichterwelt zu entführen.
Wer wollte, konnte am Ende des Weges eine gebratene Wurst, Pommes frites und ein Heißgetränk zu sich nehmen und so gestärkt die Rückfahrt antreten.
In unserem Hotel in Friedrichshafen bestand dann noch die Möglichkeit, im Wellnessbereich diesen erlebnisreichen Tag ausklingen zu lassen.
Tag 3
Der Sonntag begann mit einem vorzüglichen Frühstück, das jeder wieder nach seinen Vorlieben am Buffet zusammenstellen konnte. Danach feierten wir gemeinsam einen Adventsgottesdienst.
Für seine Predigt hatte Hans-Martin Verse aus der Weihnachtsgeschichte ausgewählt, die Hirten auf dem Felde und ihr Weg nach Bethlehem. Er erkennt darin den Zuspruch, der von der Weihnachtsbotschaft ausgeht: Jesus ist mit seiner Hilfe für uns da, ganz besonders für die, die es im Leben schwer haben.
Es war ein Gottesdienst mit viel Singen und mit festlicher Trompetenmusik von Torelli, Telemann und Albinoni, gespielt von unserem Busfahrer Andreas Lieb.
Anschließend brachen wir zu einer Fahrt ins Oberland nach Wilhelmsdorf auf. Dort sind die Zieglerschen Anstalten beheimatet, die inzwischen nur noch die „Die Zieglerschen“ genannt werden. Sie sind ein diakonisches Unternehmen, das „heute Kliniken, Seniorenzentren, Schulen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, Internate, Kindergärten, Therapiezentren, Beratungsstellen und vieles mehr betreibt.“ (entnommen der Homepage der Zieglerschen)
Bei unserer Ankunft vor Ort wurden wir aufs Herzlichste von Johannes Ehrismann und von Hanna Stäbler, einer Cousine von Hans-Martin, begrüßt. Johannes Ehrismann ist Referent für Theologie und Ethik bei den Zieglerschen. Er erzählte uns, wie vor 200 Jahren zehn Männer (darunter auch der Urgroßvater von Hans-Martin) hierher kamen, um eine Gemeinde zu gründen. Der Betsaal im Zentrum des Ortes wurde zugleich zur Kirche von Wilhelmsdorf.
Bei Wikipedia heißt es: „Der Gründung der Zieglerschen geht im Jahr 1824 die Gemeindegründung von Pietisten aus Korntal voraus. Mit der Gemeindegründung einher ging die Arbeit mit Hilfebedürftigen.“
Weiter erfuhren wir von Johannes Ehrismann, dass der Name der Zieglerschen auf den Lehrer Johannes Ziegler zurückgeht, der eine Arbeit mit gehörlosen Kindern begann und allmählich sein pädagogisches Wirken auch auf andere Kinder ausweitete.
In Wilhelmsdorf und an rund 60 Standorten zwischen Bodensee und Stuttgart werden aktuell ca. 3 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, die für nahezu 9.000 Menschen da sind.
Interessant ist auch, dass die Küche in Wilhelmsdorf täglich 9.000 Mittagessen zubereitet, die zweimal pro Woche ausgeliefert werden.
Auch unsere Reisegruppe wurde mit schmackhaftem Mittagessen verköstigt. An Kaffee und ausgesprochen feinem Kuchen fehlte es ebenfalls nicht.
Nach einem kleinen Rundgang durch den Ort – vorbei an ein paar markanten Gebäuden – und den Friedhof, wobei uns Johannes Ehrismann noch weitere geschichtliche Einblicke gab, war die Zeit der Abreise gekommen. Wir stiegen in unseren Bus ein und traten – leiblich und geistig gesättigt – die Heimreise an.
Es war eine sehr intensive Zeit, die wir in guter Gemeinschaft miteinander verbrachten. Wir erlebten viel Schönes und erhielten viele Informationen, die wir jetzt nicht hätten, wenn wir zu Hause geblieben wären. Das Mitreisen hat sich definitiv gelohnt. Als Beschenkte kehrten wir zurück.
Wir danken herzlich Hans-Martin und Renate für die Organisation und Durchführung dieser Adventstour und Andreas als Busfahrer für seine sichere und umsichtige Fahrweise und als Konditor für seine selbst hergestellten wohlschmeckenden Pralinen, mit denen er uns im Bus den Abschied versüßte. Nicht zuletzt bedanken wir uns sehr bei unserem Co-Busfahrer Manuel für seine Lotsendienste und seine spontanen Einsätze zum Wohle von uns Reisenden. Über allem aber steht der Dank an Gott, der uns diese drei Tage hat gemeinsam erleben lassen, das passende Wetter geschenkt hat und uns wohlbehalten wieder in Gärtringen und Kornwestheim hat ankommen lassen.
Martin und Annerose Zinßer









Fotos: Renate Stäbler